Es macht mich traurig, das so zu sehen: Ein gigantischer Bergbau-Koloss ist verschwunden. Die Förderbrücke F60, für viele Bergleute über Jahrzehnte ein fester Bestandteil ihres Arbeitslebens, wurde nach 45 Jahren gesprengt. Ein 500 Meter langes Bauwerk, getragen von Stahl, Arbeit und Erinnerung – in wenigen Sekunden zu Fall gebracht.
Im ehemaligen Braunkohletagebau stürzte der 31.000 Tonnen schwere Riese nach der Zündung der Sprengladungen in sich zusammen. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und der technischen Präzision bleibt für mich vor allem ein Gefühl von Abschied. Was für viele nur ein Bauwerk war, war für andere ein Stück Lebenszeit.
Bis 2038 sollen in der Branche rund 24.000 Arbeitsplätze wegfallen. Hinter dieser Zahl stehen Familien, Lebensläufe und ganze Regionen. Die große offene Frage bleibt: Wo entstehen die neuen Arbeitsplätze, die diesen Verlust wirklich ausgleichen können — und wann?
Wo einst Tagebaue das Bild bestimmten, sollen künftig Wind- und Solarparks sowie neue Seenlandschaften entstehen.
Doch der Umbau hin zu erneuerbaren Energien ist eine enorme Kraftanstrengung und verschiebt wirtschaftliche und politische Gewichte. Gleichzeitig liegen noch große Kohlevorräte im Boden. Und niemand kann sagen, welche technischen Möglichkeiten in 100 Jahren existieren werden.
„Eine Sprengung zeigt immer auch ein Machtinstrument.“
Dieser Gedanke lässt mich nicht los, weil er deutlich macht, dass hier nicht nur Stahl fällt, sondern auch ein Kapitel Geschichte endet.
Politisch wird darüber weiter gestritten: Die AfD betont in diesem Zusammenhang, dass sie sich für einen weiteren Kohleabbau einsetzen würde, da Kohle aus ihrer Sicht eine verfügbare natürliche Energie- und Heizquelle ist. Andere Parteien verfolgen dagegen konsequent den Ausstieg und den Ausbau erneuerbarer Energien.
Was ich dabei besonders widersprüchlich finde: Ausgerechnet ein heimischer Energieträger wird Schritt für Schritt zurückgebaut, und gleichzeitig wächst wieder die Abhängigkeit vom Ausland. Für mich ist das ein schwieriger Gedanke. Energieversorgung sollte verlässlich, bezahlbar und möglichst eigenständig gesichert sein. Eine neue Abhängigkeit darf aus meiner Sicht nicht die Folge dieses Umbruchs sein.
Doreen Schwietzer, MdL
10. Februar 2026










