Sie durchziehen unsere Wälder wie unsichtbare Narben: Zäune. Errichtet, um zu schützen – und doch werden sie für viele Wildtiere zur täglichen Gefahr.
Seit 2021 ist die Afrikanische Schweinepest in Sachsen registriert. Die Fallzahlen sind inzwischen deutlich zurückgegangen. Geblieben sind kilometerlange Zäune, die Wälder zerschneiden und Lebensräume zerstören. Während die Seuche abnimmt, wächst das Leid der Tiere.
Wälder leben von Bewegung. Rehe, Wildkatzen, Hirsche und Wölfe brauchen freie Wege, um Nahrung zu finden, Partner zu erreichen und gesund zu bleiben. Zäune blockieren diese Wanderungen. Tiere werden isoliert, Inzucht nimmt zu, Nachwuchs kommt krank oder missgebildet zur Welt – viele Tiere müssen schließlich erlegt werden.
Doch das Leid endet nicht bei den Tieren. Wildtiere ernähren sich vom Wald – von Knospen, Trieben, Rinde. Werden sie durch Zäune auf engem Raum gehalten, konzentriert sich der Verbiss auf kleine Flächen. Junge Bäume haben keine Chance nachzuwachsen. Der Wald kann sich nicht regenerieren, nicht gedeihen, nicht gesund alt werden.
Das ist ein Problem, das uns alle betrifft. Denn Wälder sind Klimaschützer. Sie binden CO₂, kühlen unsere Landschaft, speichern Wasser und sind Lebensgrundlage für Mensch und Tier. Wo der Wald geschwächt wird, verlieren wir einen der wichtigsten Verbündeten.
Hinzu kommt das unmittelbare Leid an den Zäunen selbst. Rehe, die sich im Draht verfangen. Tiere, die sich strangulieren. Verletzte Wildtiere, die nur noch „abgefangen“ werden können, um ihr Leiden zu beenden – ungesehen, still, mitten im Wald.
Wenn natürliche Wege versperrt sind, weichen Tiere aus. Sie geraten auf Straßen, in Siedlungen, in immer neue Gefahren. Alte und beschädigte Zäune werden so zu dauerhaften Todesfallen.
Dabei gäbe es Alternativen: wildtierfreundlichere Lösungen, klare Kontrollen – und vor allem den Abbau von Zäunen, deren Schaden längst größer ist als ihr Nutzen.
Denn der Wald ist kein umzäunter Raum.
Er ist Lebensraum – für Tiere, für Bäume, für uns alle.
Wo Zäune fallen, kehrt das Wild zurück.
Doreen Schwietzer MdL
2. Februar 2026








