Am Donnerstag, dem 27. August 2026, fand im Sächsischen Landtag erneut eine Zeugenbefragung im Rahmen des Corona-Untersuchungsausschusses statt. Geladen waren diesmal Prof. Dr. Albrecht, Krankenhauskoordinator des Universitätsklinikums Dresden, und Prof. Dr. Ullrich, Chefarzt der Radiologischen Abteilung der Collm Klinik Oschatz.
Prof. Dr. Albrecht forderte damals angesichts prognostizierter Krankenhausbelegungen einen totalen Lockdown für 14 Tage. Zudem sprach er sich für die Schulschließungen in Sachsen aus. Als Begründung führte er an, Kinder könnten ihre Großeltern gefährden. Auch Medizinstudenten hatten unter seiner Aufsicht keine Möglichkeit, praktische Erfahrungen an Patienten des Universitätsklinikums zu sammeln. Albrecht wurde zu mehreren kritischen Themen befragt, darunter Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser, wenn diese bereitwillig Betten abbauten, sowie Zwangseinweisungen von Quarantäneverweigerern in neurologische und psychiatrische Einrichtungen. Mehrere dieser kontroversen Punkte umging Albrecht, indem er sich teilweise an nichts erinnerte oder angab, keine Auffälligkeiten wahrgenommen zu haben.
Am Nachmittag wurde der zweite Zeuge, Prof. Dr. Ullrich, befragt. Bekannt ist Ullrich unter anderem für seine Auswertung „Corona im Spiegelbild klinischer Daten“. Darin untersuchte er Daten von 458 stationär behandelten Patienten mit offizieller COVID-19-Diagnose an der Collm Klinik. Thematisiert wurde jedoch nicht nur das COVID-Fallgeschehen unter den damals eingelieferten Patienten. Ullrich sprach auch über die sozialen und innerbetrieblichen Auswirkungen des damaligen politischen und gesellschaftlichen Umgangs mit der Pandemie auf das Klinikpersonal. So berichtete er, dass insbesondere im pflegerischen Dienst ungeimpfte Beschäftigte von geimpften Kollegen unter anderem als „Todesengel“ bezeichnet worden seien. Diese Ausgrenzungen und Anfeindungen führten nach seiner Darstellung zu einer hohen Fluktuation, insbesondere im Pflegebereich. Zusätzlich verschärften Schul- und Betreuungsschließungen die Personallage, weil viele Klinikbeschäftigte ihre Kinder selbst betreuen mussten.
Ullrich berichtete außerdem von Patienten, die während der gesamten Pandemie ohne typische COVID-19-Symptome positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden und aus ganz anderen Gründen stationär aufgenommen worden waren. Für die Omikron-Zeit bezifferte er den Anteil solcher Zufallsbefunde auf rund drei Viertel der positiv getesteten Patienten.
Ullrich beobachtete zudem, dass der Anteil geimpfter Patienten unter den stationär behandelten Corona-Fällen bereits beim Übergang von Alpha zu Delta zunahm. Während der Omikron-Welle lag ihr Anteil nach seinen Angaben bei 71 Prozent. Auch beim Klinikpersonal zeigte sich nach seiner Darstellung ein Unterschied: Ungeimpfte Mitarbeiter waren während der Pandemie seltener krankgeschrieben als ihre geimpften Kollegen.
Mit Blick auf die heutige Situation berichtete Ullrich außerdem, in den vergangenen zwei Jahren einen deutlichen Anstieg von Tumorerkrankungen beobachtet zu haben. Als mögliche Erklärung nannte er ausgefallene Vorsorgeuntersuchungen während der Corona-Zeit. Dadurch seien Erkrankungen später erkannt und notwendige Behandlungen verzögert worden.
Wer die weitere Aufarbeitung der damaligen Coronamaßnahmenpolitik unmittelbar verfolgen möchte, hat die Möglichkeit auch zukünftige öffentliche Sitzungen des Corona-Untersuchungsausschusses und der Enquete-Kommission vor Ort, im sächsischen Landtag zu besuchen. Die jeweiligen Termine veröffentlicht der Sächsische Landtag auf seiner Internetseite.






