Hitzeschutz braucht kühle Räume-keine heißen Zahlen!

Mit ihrem aktuellen Antrag zum Hitzeschutz fordert die Linksfraktion im Sächsischen Landtag mehr Maßnahmen zum Schutz vor Sommerhitze. Als Begründung dienen unter anderem die sogenannten „Hitzetoten“ des Robert Koch-Instituts. Es ist richtig, dass überhitzte Pflegeheime und Krankenhäuser gerade für hochbetagte und pflegebedürftige Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Wer diese Menschen wirksam schützen will, kommt jedoch an Klimaanlagen kaum vorbei. Umso erstaunlicher ist, dass der Antrag zwar allgemein von „Hitzeschutzmaßnahmen“ spricht, konkrete Aussagen zur technischen Raumkühlung jedoch vollständig vermissen lässt.
Viel grundsätzlicher ist jedoch die Art und Weise, wie politische Forderungen inzwischen begründet werden. Ob im Bundestag oder in den Landtagen: Immer wieder verweisen Vertreter der Altparteien auf die „Hitzetoten“ des Robert Koch-Instituts. Der Begriff klingt eindeutig. Wer ihn hört, denkt zwangsläufig an Menschen, die unmittelbar an den Folgen der Hitze gestorben sind.
Tatsächlich entsteht diese Zahl jedoch nicht durch das Auszählen von Totenscheinen, auf denen als Todesursache „Hitze“ vermerkt ist. Das RKI selbst weist darauf hin, dass Hitze dort nur selten als Todesursache dokumentiert wird. Stattdessen basiert die Zahl auf einer statistischen Modellschätzung der sogenannten hitzebedingten Übersterblichkeit in denen absolut alle Gestorben hinzugezogen werden. Das Modell beantwortet nicht die Frage, welche konkreten Ursachen hinter den beobachteten Todesfällen stehen. Warme Sommertage verändern das Verhalten der Menschen. Sie verbringen beispielsweise mehr Zeit im Freien, besuchen Festivals, auf denen häufig auch mehr Alkohol konsumiert wird, fahren häufiger Motorrad oder verzichten Nachts bei schönem Wetter eher auf das Taxi und gehen stattdessen zu Fuß nach Hause. All diese Verhaltensänderungen beeinflussen das individuelle Risiko. In welchem Umfang solche Faktoren zum beobachteten Anstieg der Sterblichkeit beitragen, beantwortet die Modellrechnung jedoch nicht. Dennoch entsteht in politischen Debatten häufig der Eindruck, als ließe sich jeder statistisch geschätzte Todesfall unmittelbar der Hitze selbst zuschreiben.
Wer mit solchen Zahlen politische Forderungen begründet, sollte deshalb auch den Mut haben, ihre Entstehung und ihre Grenzen ehrlich zu erklären. Wissenschaftliche Modellschätzungen haben ihren Wert. Sie ersetzen jedoch nicht die Pflicht, transparent zu kommunizieren, was sie tatsächlich aussagen und was eben nicht.

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